ELEKTROAUTOS SIND DOCH NICHT KLIMANEUTRAL
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Elektroautos sollen helfen, die CO₂‑Emissionen in der EU zu senken. Jetzt stellen Forscher des interdisziplinären Forschungsverbunds der Technischen Universität München (TUM), CirculaTUM, den bislang überwiegend positiv bewerteten Klimaeffekt von E-Autos infrage.
Kritikpunkt der Forscher: Die EU bewertet im Rahmen ihrer Flottenregulierung die CO₂‑Emissionen eines Fahrzeugs ausschließlich anhand CO₂‑Emissionen im Fahrbetrieb. Weil Elektroautos während der Fahrt kein CO₂ ausstoßen, gelten sie in der EU bislang als klimaneutral.
Forscher analysierten 19 Studien
Wie sich die
CO₂‑Bilanz eines Elektroautos bei differenzierter Betrachtungsweise darstellt, untersuchte die TUM in der
Studie "Defossilisation, Not Decarbonisation – Ein Weg zu einem neuen, lebenszyklusbasierten Standard für die CO₂-Regulierung von Pkw". Die als White Paper veröffentlichte Studie wertet 19 Studien und 47 Szenarien systematisch aus. Sie wurde jetzt (1. September 2026) in München vorgestellt.
Die TUM-Forscher kritisieren, dass die CO₂‑Emissionen bei der Förderung der nötigen
Rohstoffe, der Herstellung der Elektroautos und Batterien, bei der Erzeugung des Fahrstroms und beim
Recycling von Auto und Akku am Ende ihres Lebenszyklus in die aktuelle Berechnung der EU nicht einbezogen werden.
E-Autos verursachen durchschnittlich 41 Prozent weniger Emissionen
Werden diese Faktoren berücksichtigt, verursachen batterieelektrische Fahrzeuge demnach über ihren gesamten Lebenszyklus im Durchschnitt in den meisten Fällen rund 41 Prozent weniger Treibhausgasemissionen als vergleichbare Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor. Die Spannbreite der Abweichungen gegenüber den CO₂-Emissionen von Verbrennerfahrzeugen reicht laut Studie dabei von einer Reduktion von 89 Prozent bis zu einer Mehrbelastung von 21 Prozent.
Die Autoren der Studie warnen auch vor möglichen industriepolitischen Folgen der geltenden Regulierung. Weil die CO₂‑Emissionen bei der Herstellung von E-Autos nicht in die Bewertung einfließen, fehlten zudem Anreize für Investitionen in emissionsarme Produktionsverfahren, etwa bei Stahl, Aluminium oder den Batterien.
Hofmann fordert politische Debatte
TUM-Präsident Prof. Thomas Hofmann äußert im Rahmen der Studienvorstellung Kritik am bisherigen Vorgehen der EU: "Wir sehen derzeit eine substanzielle Fehlsteuerung der
Klimastrategie der Europäischen Union. Wenn sie ihre eigenen Ziele ernst nimmt, darf sie sich nicht länger nur auf die Auspuffmessung verlassen." Der TUM-Präsident fordert eine Anerkennung der Studienerkenntnisse durch die Politik: "Ich appelliere an Parlament und Rat (der EU, Anm. d. Red.), die laufende Überarbeitung des Automotive Package zu nutzen, um eine verpflichtende, verifizierte Lebenszyklus-Berichterstattung einzuführen."
Im Fazit betonen die Autoren der Studie, dass es nicht darum gehe, "dass ein bestimmter Antriebsstrang der einzige Hebel ist, der für die Dekarbonisierung von Bedeutung ist." Es sei vielmehr "die Erkenntnis, dass die Norm jeden Hebel belohnen sollte, der tatsächlich dazu beiträgt – einschließlich des Antriebsstrangs, aber nicht ausschließlich".
2026-09-02T03:23:08Z