NEUE ABGABEN: E-AUTO-FAHRER KöNNTEN KüNFTIG ZUR KASSE GEBETEN WERDEN

Rund 9,6 Milliarden Euro hat Deutschland vergangenes Jahr aus der Kfz-Steuer eingenommen. Die Summe ist seit Jahren relativ stabil. Doch das dürfte sich in naher Zukunft ändern. Im Juli waren bereits 29,3 Prozent aller neu zugelassenen Pkw Elektroautos. Der Anteil soll in den kommenden Jahren steigen. Doch Elektroauto-Fahrer zahlen bis 2035 keine Kfz-Steuer. Dem Staat werden damit also Einnahmen wegbrechen.

Deutschland steht damit nicht allein. Praktisch jedes Land mit Steuern auf Kraftstoffe steht vor demselben Problem. Das gilt etwa für die USA, Australien, Neuseeland und europäische Staaten wie Großbritannien, Norwegen, die Schweiz, die Niederlande und Österreich. Nicht nur die Kfz-Steuer bricht weg. Auf Kraftstoffe wie Benzin und Diesel wird zudem Energiesteuer fällig, sowie der CO2-Preis. Bei Letzterem ist es politisch gewollt, dass seine Einnahmen mit der Zeit schwinden.

Nutzungsabhängige Abgaben für Elektroautohalter

Die Wirtschaftsweisen mahnten das Problem wegbrechender Steuereinnahmen bereits in ihrem Frühjahrsgutachten 2024 an. Seitdem ist politisch aber wenig passiert. Im Gegenteil: Erst im vergangenen Dezember verlängerte die Bundesregierung die Kfz-Steuerbefreiung für Elektroautos. Sie gilt jetzt für alle reinen Elektroautos, die bis Ende 2030 neu zugelassen werden. Bis 2035 sind sie davon befreit.

Elektroautohalter mit anderen Abgaben zu belegen, ist dabei steuertechnisch nicht schwer. Doch jede neue Abgabe würde das Ziel erschweren, Elektroautos möglichst schnell auf die deutschen Straßen zu bringen und Verbrenner langsam auslaufen zu lassen. Dennoch haben sich für nutzungsabhängige Abgaben zwei Modelle etabliert:

Die Ladestromsteuer

Wer an einer Ladesäule Strom aus dem Netz zieht, um sein Elektroauto zu laden, der zahlt bisher die Stromsteuer. Sie beträgt 2,05 Cent pro Kilowattstunde. Hinzu kommt die Mehrwertsteuer auf den Netto-Strompreis. Laden Sie etwa für 30 Cent pro Kilowattstunde, entfallen darauf zusammen 6,84 Cent Steuern.

Aber: Die Bundesregierung hatte im Koalitionsvertrag versprochen, die Stromsteuer auf das EU-Mindestmaß von 0,1 Cent pro Kilowattstunde zu senken. Damit würde auch die Mehrwertsteuer sinken. Je nach Strompreis ergäbe sich ein Steuerausfall von 20 bis 40 Prozent gegenüber den heutigen Abgaben.

Dabei sind selbst die schon sehr gering. Bei einem Verbrauch von 18 Kilowattstunden (kWh) pro 100 Kilometer und 30 Cent pro kWh zahlt ein E-Auto-Halter rund 37 Cent Stromsteuer. Für die gleiche Strecke muss der Fahrer eines Verbrennerautos bei einem Benzinverbrauch von sechs Litern fast vier Euro Energiesteuer bezahlen.

Der Ausgleich könnte eine Ladestromsteuer sein. Sie ist derzeit etwa in der Schweiz und einigen US-Bundesstaaten geplant, in manchen bereits aktiv. Die Höhe ist dabei sehr unterschiedlich. Wisconsin erhebt bereits drei US-Cent pro kWh, der Schweizer Bundesrat hat 22,8 Rappen vorgeschlagen. Das wäre umgerechnet eine Spanne von 2,6 bis 24 Cent. Würde Deutschland sich in der Mitte einsortieren, lägen die Kosten beim beispielhaften E-Auto-Verbrauch bei 2,40 Euro je 100 Kilometer. Allerdings: Wer eigenen Solarstrom zu Hause nutzt, könnte diese Steuer wahrscheinlich umgehen. In den USA gilt sie in diesem Fall nicht. Die Schweiz will auch privaten Solarstrom besteuern.

Die Kilometerabgabe

Die Alternative zu einer Ladestromsteuer wäre eine Kilometerabgabe. Schließlich soll die Kfz-Steuer auch heute schon zum Beispiel die durch Fahrzeuge verursachte Abnutzung von Straßen ausgleichen. Statt einer pauschalen Maut, die etwa pro Jahr gerechnet wird, favorisieren die meisten Staaten aber Kilometerabgaben.

Island etwa erfasst dafür einmal jährlich den Tachostand aller Fahrzeuge und erhebt dafür umgerechnet rund 5 Cent pro Kilometer. Bei einer Fahrleistung von 10.000 Kilometern wären das also 500 Euro. In Neuseeland sind es für E-Autos seit 2024 umgerechnet 37 Euro pro 1000 Kilometer. Bei typischer Fahrleistung wären das 370 Euro pro Jahr. Großbritannien plant eine Abgabe von umgerechnet 2,2 Cent pro Kilometer. Das wären 218 Euro auf 10.000 Kilometer pro Jahr.

Für Deutschland haben etwa der Wissenschaftliche Beirat des Verkehrsministeriums, das Umweltbundesamt und der Think-Tank Agora Energiewende in den vergangenen Jahren Kilometerabgaben vorgeschlagen. Die vorgeschlagenen Sätze liegen 5,4 und 6,5 Cent pro Kilometer. Das wären 540 bis 650 Euro auf 10.000 Kilometer im Jahr. In manchen Konzepten würde sie aber niedriger anfangen und dann nach einigen Jahren steigen. Zudem würde bei Verbrennern wohl die Kfz-Steuer angerechnet.

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2026-08-24T16:40:34Z