Vom VW Golf GTI über den BMW 320i bis zum Mercedes C 200: Auffällig viele Autos weltweit haben exakt 2,0 Liter Hubraum und vier Zylinder. Das ist kein Zufall, sondern das Ergebnis von Steuergrenzen und Bürokratie.
2,0-Liter-Vierzylindermotoren sind der globale Sweetspot für Automobilhersteller, weil in wichtigen Märkten Steuer- und Abgabegrenzen oberhalb von zwei Litern beginnen. Hinzu kommt, dass ein passender Motor für möglichst viele Modelle den größten Umsatz generieren kann.
In China gelten Fahrzeuge mit genau 2,0 Litern steuerlich noch als "Fahrzeuge mit kleinem bis mittlerem Hubraum". Die 2-Liter-Grenze ist also eine internationale Grenze für Automobilhersteller, da gerade in China die Sätze bei großen Motoren auf bis zu 40 Prozent ansteigen können. Ab 2,0 Liter aufwärts beträgt die Steuerrate bereits neun Prozent für den Export nach China. Und weder Hersteller noch Kunden möchten diese Steuern tragen.
Im Kontrast dazu sind nordamerikanische Motoren sehr groß. Die weiten Straßen der USA verlangen den Fahrzeugen viel Kraft ab. Außerdem gibt es dort keine Hubraumsteuer, während Kraftstoff dort historisch gesehen immer günstig war. Von Monster-SUVs bis hin zu Monstertrucks werden hier größere Autos produziert.
Die Kfz-Steuer setzt sich in Deutschland (aber auch in vielen anderen Ländern) aus der Größe des Hubraums und zusätzlich seit 2009 aus dem Zusatzbetrag für den CO2-Ausstoß zusammen. Dabei gilt, dass pro angefangene 100 Kubikzentimeter Hubraum ein fester Basissatz gezahlt werden muss. Größere Motoren kosten also direkt mehr Steuern. Wollt ihr eure eigene Kfz-Steuer errechnen, könnt ihr dies über den Kfz-Steuer-Rechner des Bundesfinanzministeriums machen. Zum Beispiel beträgt der Basissatz für Benziner pro 100 Kubikzentimeter 2 Euro. Im direkten Vergleich zwischen einem 2,0-Liter- und einem 3,0-Liter-Motor sind das 20 Euro Unterschied in der Kfz-Steuer. Für den internationalen Markt ist dies heutzutage allerdings nur ein Nebenaspekt. Für Produzenten sind CO2-Ausstoß und der chinesische Steuersatz ausschlaggebend.
Für einen Vierzylindermotor kommt hinzu, dass 500 Milliliter pro Zylinder die perfekte Größe bieten, um effizient Kraftstoff umzusetzen. Gerade im Zusammenhang mit Turboaufladung konnten Ingenieure zum Beispiel beim "Mercedes-AMG A 45 S" 421 PS rausholen. Sie erhalten mit dieser Zylindergröße eine große Bandbreite an möglicher Leistung und da vier Zylinder sehr platzsparend in eine Reihe passen und mehr Zylinder auch gar nicht notwendig für eine hohe Leistung sind, ergibt sich bei vielen Fahrzeugen ein festes Gesamtvolumen von genau zwei Litern.
Ein weiterer Vorteil von Vier- statt Sechszylindermotoren ist, dass bei sechs Zylindern, die nicht in einer Reihe angeordnet sind, mehr Bauteile verwendet werden, die wiederum wackeln und vibrieren können. Die Hersteller verzichten so auf unnötige Fehlerquellen, während die verdichtete, einströmende Luft des Turboladers trotzdem eine hohe Leistung erzeugt.
Ganz nach dem Laufband-Prinzip: Je weniger Teile für die verschiedenen Auto-Modelle umgestellt werden müssen, desto günstiger können die Autos produziert werden. Zum Beispiel hat ein Produzent für seinen 2,0-Liter-Vierzylinder fast immer das passende Werkzeug, Kolben oder Ventile parat. Außerdem werden per se keine grundsätzlich "neuen" Verbrennermotoren mehr entwickelt. Der bewährte Gold-Standard in Kombination mit den steuerlichen Grenzen hat den 2,0-Liter-Vierzylindermotor in den Mittelpunkt vieler Automobilhersteller gerückt.
Unter den bekannten Motorenfamilien finden sich unter anderem der VW EA888 im Audi A4 und S3, im VW Golf GTI und im Cupra Formentor wieder. Für den BMW B48 kommen euch die Modelle BMW 330i und X3 vielleicht bekannt vor.
Das heißt aber nicht, dass keine anderen Motoren existieren. Zum Beispiel besitzt der Mazda 3 einen 2,5-Liter-Saugmotor. Durch den vergrößerten Hubraum reicht die mechanische Ansaugung der einzelnen Zylinder aus, um ohne Turbolader genügend Leistung zu erzielen.
Den Regulierungen nach könnte der 2,0-Liter-Vierzylinder damit das vielleicht politischste Bauteil sein, denn internationale Bestimmungen machen ihn zum Allrounder zwischen steuerlicher Freiheit und Ingenieurskunst. Auch in Zukunft wird es weiter Verbrennermotoren geben, auch wenn China mit seinen E-Auto-Limousinen den Markt auf den Kopf stellt. Über 18.000 Bestellungen erzielte der Chery Fulwin A9 in 72 Stunden.
2026-08-23T09:43:29Z