Auto & Mobilität
Eine neue Marktentwicklung in China führt dazu, dass Autos zu Wegwerfware werden. Nach nur zwei oder drei Jahren sind sie schon veraltet.
Autos gelten schon seit über einem Jahrhundert als Statussymbole. Ein Neuerwerb ist oft mit einer langen Suche und vielen Überlegungen verbunden. Danach pflegt man sein metallisches Ross und achtet darauf, dass es einen langen Dienst leistet. Doch in China entwickelt sich ein gänzlich anderer Trend. Viele elektronische Autos aus chinesischer Herstellung sind bereits nach wenigen Jahren nicht mehr brauchbar und werden aussortiert.
Die massenweise Verschrottung von E-Autos in China ist eine Folge der halsbrecherischen Entwicklung in der Technologie. Neue Modelle, Verbesserungen bei Batterien und Software kommen so schnell, dass die Automobilwelt nicht hinterherkommt. Wenn man einen Neuwagen für unter 20.000 Euro erwerben kann, lohnt sich ein Batteriewechsel für 10.000 Euro in der Regel nicht. Stattdessen wird lieber auf ein neueres Modell gewechselt. Diese Entwicklung wird von ungünstigen Rahmenbedingungen verstärkt.
Laut Statistiken gibt es in China über 200 Automobilhersteller – ein starker Kontrast zu den 15 Großkonzernen von Europa (via just-auto). Sie stehen alle in einem harten Konkurrenzkampf, bei dem die Preise immer weiter nach unten gedrückt werden, sodass Elektroautos in China mittlerweile günstiger sind als Verbrenner. „Der Preiskrieg hat Spuren hinterlassen, wir werden jetzt Zeugen, wie sich das Einweg-Auto verfestigt“, sagt der Experte Xing Zhou, Partner und Managing Director bei AlixPartners (via automobilwoche).
Ein Gebrauchtwagenmarkt ist in China quasi nicht existent. Wenn die Käufer ihr altes Auto zurücklassen und sich dank der niedrigen Preise ein neues kaufen, wandert es nicht in den Weiterverkauf, sondern auf den Schrottplatz. Leasing und Finanzierung gibt es kaum, da ein Fahrzeugkauf in China laut Zhou „in der Regel ein Bargeschäft“ ist. Der Experte geht davon aus, dass das „Einweg-Auto“ sich zu einem neuen Geschäftsmodell entwickeln wird.
Die chinesische Regierung trägt indirekt dazu bei. „Man geht davon aus, dass der Markt nun so reif ist, dass er den eigenen Mechanismen überlassen werden kann“, so Zhou. Deswegen zieht sich der Staat in dem neuesten Fünfjahresplan aus der Förderung zurück und überlässt das Schlachtfeld den Herstellern. Der Wettbewerb ist so hart, dass eine Firma im Monat nur ein einziges Auto verkaufte.
2026-04-29T11:27:33Z