IRAN-KRIEG BESCHLEUNIGT E-AUTO-WACHSTUM: AUTOBAUER KOMMT MIT PRODUKTION NICHT HINTERHER

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Iran-Krieg beschleunigt E-Auto-Wachstum: Autobauer kommt mit Produktion nicht hinterher

Während der Iran-Krieg den Ölpreis in die Höhe treibt, wächst in Europa der Absatz von Elektroautos explosionsartig. Einer der Profiteure: Renault.

Paris/Brüssel – Krieg, Krisenangst und Klimapolitik ergeben derzeit eine ungewöhnliche Mischung auf dem europäischen Automarkt. Der Iran-Krieg sorgt dafür, dass sich viele Kundinnen und Kunden schneller als geplant einem Elektroauto zuwenden – und Renault erlebt einen sprunghaften E-Auto-Boom.

Was industriepolitisch wie eine wünschenswerte Entwicklung aussieht, entpuppt sich andererseits zum Stresstest für Hersteller und Zulieferer. Der französische Konzernchef François Provost sieht im neuen Absatzschub aufgrund des gestiegenen Ölpreises Chancen, aber auch Risiken für die Wettbewerbsfähigkeit von Renault und der gesamten europäischen Autoindustrie.

Iran-Krieg und Ölpreis treiben Renault-Neuzulassungen bei E-Autos

Seit Beginn des Iran-Kriegs im Februar 2026 erlebt der Volkswagen-Rivale in Europa einen bemerkenswerten Nachfrage-Schub beim Elektroauto. Laut Provost sind die Auftragsbestände in Ländern wie Frankreich und Deutschland um satte rund 50 Prozent gestiegen, erläutert ein Bericht der Nachrichtenagentur Reuters.

„Aufgrund des Krieges im Iran überschreiten wir derzeit die Kapazitäten unserer Zulieferer“, ließ der CEO am Rande des „Automotive News Europe Congress“ in Brüssel wissen. Renault habe zwar keine Probleme bei der Beschaffung von Batterien, müsse momentan jedoch „hart arbeiten“, um mit der E-Auto-Nachfrage Schritt zu halten.

E-Auto-Boom verändert den europäischen Absatzmarkt

Nach Angaben des Renault-Managers stiegen die Verkäufe reiner E-Autos in Europa in den ersten vier Monaten um 29 Prozent auf fast eine Million Fahrzeuge. Damit trägt der Elektroauto-Boom maßgeblich dazu bei, dass der Absatzmarkt in der gesamten Region sichtbar an Fahrt gewinnt. Der Trend bei der Nachfrage ist auch bei gebrauchten BEV-Modellen zu beobachten.

Der Branchenverband ACEA meldet für die Europäische Union im selben Zeitraum knapp 3,8 Millionen neu zugelassene Pkw, ein Plus von 4,2 Prozent. In Deutschland kamen laut Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) allein im Mai 2026 rund 59.969 reine Stromer neu auf die Straße – ein deutliches Plus von 39,3 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Besonders die wachsende Zahl von E-Autos stabilisiert aktuell also den Absatz in einem Umfeld geopolitischer Unsicherheit.

Juni 2026: Produktionskapazitäten von Renault stoßen an Grenzen

Um den steigenden Absatz zu bewältigen, prüft Renault zusätzliche Schichten in seinen Elektroauto-Werken in Frankreich sowie im slowenischen Novo Mesto. Eine interne Arbeitsgruppe soll Engpässe bei Zulieferern identifizieren und dafür sorgen, dass der Run auf E-Autos nicht in Lieferverzögerungen mündet.

Provost macht deutlich, dass der Iran-Krieg zwar die Nachfrage befeuert, gleichzeitig aber die industrielle Planung erschwert. Wenn Zulieferer an ihre Grenzen stoßen, kann selbst ein starker Absatz gefährdet sein, weil jede zusätzliche Störung die E-Auto-Produktion aus dem Takt zu bringen vermag. Deutsche Hersteller haben derweil mit anderen Problemen zu kämpfen.

Produktionskosten, Akkus und der Iran-Krieg als strategischer Faktor

Langfristig will Renault den Elektroauto-Boom nutzen, um E-Autos günstiger zu machen und neue Kundengruppen zu erreichen. Wie der Renault-Boss noch erklärte, werde das Interesse nach einem Kriegsende und bei sinkenden Spritpreisen zwar voraussichtlich nachlassen, der Trend zur Elektromobilität sich aber weiter beschleunigen.

Der französische Autobauer setzt dabei auf den chinesischen Batteriehersteller Envision AESC, der im Werk Douai (Nordfrankreich) künftig preiswertere Lithium-Eisenphosphat-Batterien fertigen soll, um den Absatz erschwinglicher Modelle zu stützen. Günstigere Akkus gelten als Schlüssel, damit das Elektroauto selbst bei schwankenden Ölpreisen eine attraktive Alternative bleibt.

Renault richtet seine E-Auto-Strategie neu auf China aus

Neben dem Iran-Krieg beschäftigt Renault vor allem die Konkurrenz aus China, die den globalen E-Auto-Markt mit hoher Geschwindigkeit umkrempelt. „Die Herausforderung ist die enorme Wettbewerbsfähigkeit der Chinesen, und genau dieses Problem müssen wir lösen“, sagte führte Provost bei der Veranstaltung in der belgischen Hauptstadt aus.

Renault hat den elektrischen Kleinwagen Twingo in weniger als zwei Jahren entwickelt und will dieses Tempo künftig für alle neuen Modelle erreichen. Statt wie vormals auf reine Größe und Skaleneffekte will der Konzern auf Geschwindigkeit und Agilität setzen, um beim Elektroauto-Absatz gegen chinesische Rivalen mitzuhalten. (Quellen: Reuters, Automobilwoche, KBA, eigene Recherche)

2026-06-14T07:19:45Z