Keine Hau-Ruck-Aktionen
Frühling, Sonne, Frühjahrsputz: So machen Sie Ihr Auto fit für die neue Saison – und warum der ADAC beim Reifenwechsel zur Geduld rät.
Frankfurt – Die Eiskratzer verschwinden im Keller, die Sonne wärmt wieder – und im hellen Frühlingslicht zeigt das Auto schonungslos die Spuren des Winters: Salzkrusten am Unterboden, Schmierfilm auf den Scheiben, Schmutz in den Fußmatten. Zeit für den automobilen Frühjahrsputz. Wer dabei überlegt vorgeht, schützt sein Fahrzeug und spart langfristig Geld.
Der erste Weg sollte in die Waschstraße führen. Wer starke Verschmutzungen loswerden will, kann vorab eine Waschbox für eine gründliche Vorwäsche nutzen – sie weicht hartnäckige Verkrustungen auf und verhindert, dass Schmutzpartikel beim Waschen wie Schmirgelpapier über den Lack reiben.
Eine Motorwäsche sollte man besser nicht selbst in Angriff nehmen. „Wer selbst mit einem Hochdruckreiniger im Motorraum herumhantiert, riskiert schwere Schäden an der Fahrzeugelektronik“, warnt Ann-Christin Mainz von TÜV SÜD. Das gilt auch für die Reifen: Hier sollte der Hochdruckreiniger so kurz wie möglich eingesetzt werden – mit möglichst breitem, flächigem Wasserstrahl und einem Abstand von mehr als zwei Metern. Zudem rät die Expertin zu einer professionellen Unterbodenwäsche. Salzreste und Schmutz, die sich in Kotflügeln und am Unterboden festgesetzt haben, seien ein idealer Nährboden für Rost. Allerdings gibt es zum Thema Unterbodenwäsche auch gegenteilige Ansichten.
Nach der Wäsche lohnt ein genauer Blick auf den Lack: Steinschläge und Kratzer sollten mit einem Lackstift ausgebessert werden – sonst drohen Rostpickel und teure Reparaturen. Zum Schutz vor Sonnenstrahlung und klebrigen Blütenpollen empfiehlt der ADAC außerdem eine Lackkonservierung, etwa mit Hartwachs. Das lässt sich bequem noch in der Waschanlage erledigen und schützt den Lack für mehrere Monate.
Auch die Scheibenwischer verdienen jetzt Aufmerksamkeit: Schnee und Eis können den Gummi brüchig oder rissig werden lassen. Schmieren die Blätter oder hinterlassen Schlieren, ist es Zeit für neue Wischer. Gleichzeitig sollten alle Glasflächen von innen gründlich gereinigt werden – besonders die Windschutzscheibe setzt im Winter einen hartnäckigen Schmierfilm an.
Für den Innenraum empfiehlt der TÜV SÜD: Staubsauger, Glasreiniger, Polsterschaum (bei Leder entsprechenden Pflegeschaum), Kunststoffpflegemittel, Fleckenwasser, Schwämme, Bürsten, eine Zahnbürste für Ecken und Winkel sowie Mikrofasertücher.
Zwei häufige Stolperfallen: Tierhaare lassen sich nicht mit Wasser aus Polstern lösen – das treibt sie nur tiefer ins Gewebe. Besser helfen eine Flusenbürste, ein starker Staubsauger und eine stabile Bürste. Eingetrockneter Kaugummi auf Teppich oder Polster lässt sich zunächst mit Kältespray einsprühen und dann vorsichtig aus den Fasern brechen.
Den Kofferraum dabei nicht vergessen: Besonders in der Reserveradmulde sammeln sich Schmutz und Feuchtigkeit – ein häufig übersehener Rostförderer. Gleichzeitig lohnt es sich, nicht mehr benötigtes Winterzubehör wie Schneeketten, Eiskratzer und Ähnliches auszuladen. Jedes unnötige Kilogramm im Kofferraum verbraucht messbar mehr Kraftstoff.
Bei der Pflege von Kunststoffteilen im Cockpit gilt laut TÜV Süd: Markenprodukte bevorzugen, Haushaltsreiniger und Geschirrspülmittel sind tabu. Von Glanzsprays sollte man die Finger lassen. Sie hinterlassen rutschige Oberflächen – und gerade am Lenkrad oder den Pedalen kann das laut den Experten „fatale Folgen haben“. Besser: ein einfaches Mikrofasertuch mit klarem Wasser oder ein spezieller Kunststoffreiniger ohne Gleiteffekt. Lösungsmittelhaltige Mittel sind an Instrumententafel und Airbagmodulen absolut verboten – sie können das Material porös machen und die Sollbruchstellen des Airbags dauerhaft beschädigen.
Wer beim Frühjahrsputz auch gleich die Winterreifen wechseln möchte, sollte noch etwas warten. Der ADAC rät ausdrücklich zur Geduld: Die bekannte Faustregel „von O bis O“ – von Oktober bis Ostern – gilt nach wie vor. Erst wenn die Temperaturen dauerhaft und zuverlässig im zweistelligen Plusbereich liegen und weder Frost noch Schnee drohen, ist der Wechsel auf Sommerreifen sinnvoll. Vor der Montage sollte außerdem die Profiltiefe geprüft werden: Bei weniger als drei Millimetern empfiehlt der ADAC, die alten Sommerreifen durch neue zu ersetzen. Wer zu früh umrüstet, riskiert bei plötzlichem Kälteeinbruch deutlich längere Bremswege – mit möglicherweise gefährlichen Folgen. (Quellen: TÜV Süd, ADAC, eigene Recherche) (sop)
2026-02-27T11:27:35Z