Volkswagen bleibt Platzhirsch, aber BMW holt sich Rang zwei zurück. Tesla rutscht ab, die chinesische E-Auto-Invasion stockt. Was hinter der dramatischen Verschiebung im deutschen Elektromarkt steckt.
Die deutschen Premium-Hersteller sind zurück – zumindest auf dem Papier. BMW hat sich im zweiten Quartal 2025 den zweiten Platz bei den Elektroauto-Neuzulassungen in Deutschland zurückerobert. Mit gut 19.000 Neuzulassungen liegen die Münchner nur noch hinter Volkswagen (25.600), wie Daten des Kraftfahrt-Bundesamtes zeigen laut Handelsblatt zeigen. Skoda (18.700), Tesla (16.000) und Mercedes (15.700) müssen sich dahinter einreihen. Das ist eine bemerkenswerte Verschiebung: Im ersten Quartal dümpelte BMW noch auf Platz fünf herum.
Tesla, das zwischenzeitlich wegen Elon Musks politischer Eskapaden Federn lassen musste, fällt vom Podest. Audi rutscht von Platz vier auf sechs ab. Was ist passiert?
Die Erklärung ist ernüchternd simpel: Rabatte, Rabatte, Rabatte. „Bei BMW sieht man derzeit hohe Rabatte“, sagt Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer laut WirtschaftsWoche. Auch Tesla habe seine Preise um mehrere tausend Euro gesenkt. „Das sind relativ alte Autos, aber mit den Preisen sind sie wettbewerbsfähig“, so Dudenhöffer.
Das Model 3 und Model Y seien um den Jahreswechsel deutlich billiger geworden – und prompt hat Tesla im ersten Halbjahr bereits anderthalbmal so viele Fahrzeuge verkauft wie im gesamten Jahr 2024. Klingt nach Erfolg? Nicht unbedingt. Wenn Premium-Hersteller wie BMW nur durch aggressive Preisnachlässe Marktanteile zurückerobern können, wirft das Fragen nach der Profitabilität auf. Die viel beschworene „Neue Klasse“ von BMW spielt ohnehin noch keine Rolle – die Auslieferungen laufen nicht auf breiter Front.
Die vermeintliche chinesische Invasion des deutschen E-Auto-Marktes entpuppt sich als überschätzt. BYD kommt im zweiten Quartal auf gut 6.000 Neuzulassungen, Leapmotor auf fast 5.000, MG Roewe und XPeng auf jeweils mehr als 2.000 [WirtschaftsWoche]. Zusammen erreichen sie gerade mal Mercedes-Niveau – und BYD ist sogar von Platz zwölf auf 13 gerutscht.
Ja, die Wachstumsraten sind hoch. Aber von einem Durchmarsch kann keine Rede sein. Leapmotor verbesserte sich zwar von Rang 18 auf 15, doch das Basisniveau ist niedrig. Die deutschen Hersteller haben offenbar mehr Zeit, als viele Analysten ihnen zugestanden haben.
Der deutsche E-Auto-Markt ist eine Rabattschlacht ohne Gewinner. BMW erobert Platz zwei zurück – aber zu welchem Preis? Wenn Premium-Marken ihre Produkte verramschen müssen, um gegen Tesla und chinesische Anbieter zu bestehen, ist das kein Zeichen von Stärke, sondern von Verzweiflung. Tesla verkauft alte Modelle billiger, BMW verscherbelt seine Flotte mit hohen Rabatten, und die Chinesen kommen langsamer als erwartet.
Das eigentliche Problem: Niemand macht mit E-Autos wirklich Geld. Die Marktanteile mögen sich verschieben, aber solange die Profitabilität fehlt, ist das ein Pyrrhussieg. Die Frage ist nicht, wer auf Platz zwei liegt – sondern wer diesen Preiskampf langfristig durchhält, ohne rote Zahlen zu schreiben. BMW sollte sich fragen, ob ein Silbermedaille im Rabatt-Wettbewerb wirklich ein Grund zum Feiern ist.
Quellen: Handelsblatt, WirtschaftsWoche
2026-07-08T13:20:31Z